Spielleiter Cédric

Sessionnotes und Lore vom SL Cedric

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tharvos:notes:06032026

06.03.2026 - Das Gold ist komisch

Die Abenteurergruppe versammelte sich im Eisernen Becher, der einzigen Taverne in Blackwick, die sich still und heimlich zum Treffpunkt der Eisen-Gilde gemausert hatte. Sariel, ein Halbelf in bunten Gewändern, zupfte auf seiner Laute und stellte dabei nur Fragen – denn ein Fluch zwang ihn dazu, ausschließlich in Fragen zu sprechen. Neben ihm warteten Mel mit ihrer Ukulele auf dem Rücken und ihrer Armbrust an der Seite, die kampferprobte Halbling-Kämpferin Wilma mit dem Ring der Seeschlange an ihrem Finger sowie der seherische Ilion, behängt mit Ketten und Amuletten. Die Wirtin Brunhilde schenkte das erste Haus-Ale umsonst aus, was die Gildenmitglieder wie magisch anzog.

Wilma hatte unterdessen ein dringendes Problem: Ihr übergroßes Ross namens Ross brauchte einen Unterstand. Sie bat Brunhilde um den Schuppen hinter der Taverne, der jedoch bis zum Rand mit leeren Fässern und Holzkisten vollgestopft war. Als sie sich umdrehte, um Hilfe zu organisieren, stand plötzlich eine riesige Gestalt vor ihr – Arktos Medved, ein gewaltiger Dathmeier von zweieinhalb Metern Größe, der gerade in Blackwick eingetroffen war. Er bot ihr grob, aber gutmütig seine Hilfe an und begann, die Kisten mit einer Hand aus dem Schuppen zu räumen, als wären es Spielzeugklötze.

Draußen hinter dem Schuppen entdeckte Arktos eine weitere Gestalt: den sturzbetrunkenen Father O'Malley, einen älteren Priester mit religiösen Insignien, der sich kaum auf den Beinen halten konnte und nach Alkohol und nie gewaschenem Körper stank. Mel, die gerade aus der Taverne trat, erkannte den Priester sofort und schlug vor, ihn einfach hineinzubringen. Gemeinsam schleppten sie den lallenden Geistlichen in den Eisernen Becher, wo er sofort auf Wilma zutorkelte und ihr einen Becher Ale entgegenstreckte. Das war ein Fehler. Wilma packte ihn am Kragen, schleuderte ihn mit einem einzigen gezielten Schlag gegen die Wand, und Father O'Malley rutschte bewusstlos zu Boden. Brunhilde tauchte hinter der Bar auf, betrachtete die Szene und spendierte seelenruhig eine Runde Haus-Ale.

Während die Gruppe sich langsam entspannte, empfing Ilion eine beunruhigende Vision. Seine Augen wurden trüb, er starrte mit offenem Mund in den Himmel und stand stocksteif da, bis Mel ihn anstupste. In seiner Vision sah er Lazarus, den Wächter der Gilde, der vor einem Kamin saß und ihn eindringlich anwies, noch heute zum nordöstlichen Diebeslager aufzubrechen. Die Zeit laufe davon, mahnte die Stimme, bevor die Verbindung mit einem Schnippen erlosch und Ilion wieder in der Taverne stand. Er schüttelte sich und verkündete knapp, dass sie sofort aufbrechen müssten.

Doch bevor die Gruppe ihre Pläne schmieden konnte, wurde die Stimmung jäh unterbrochen. Die Tavernentür flog mit einem gewaltigen Knall auf, und eine über zweieinhalb Meter große Gestalt in abgewetzter Plattenrüstung trat ein. Zwei glühend rote Augen leuchteten unter einem riesigen Helm hervor, und jeder Schritt des Mannes ließ die Holzdielen vibrieren wie bei einem kleinen Erdbeben. Es war ein Soldat von Grimdahl – und noch nie zuvor war einer dieser gefürchteten Inquisitoren so tief in den Süden vorgedrungen. Die Gruppe erstarrte.

Der Soldat ließ seinen Blick langsam durch den Raum schweifen, bis er auf Arktos fiel. Dann sprach er einen einzigen Namen aus, der die ganze Taverne durchhallte: „Arktos!„ Er stapfte auf ihn zu, jeder Schritt ein kleines Erdbeben, und konfrontierte ihn mit einer alten Schuld. Arktos hatte einst für einen Mündel gebürgt, der einen Ring gestohlen hatte – den Ring des Soldaten. Der Inquisitor hatte Arktos monatelang gesucht und ihn nun endlich gefunden. Als Arktos beteuerte, den Ring nicht zu haben, zog der Soldat sein Langschwert und hielt die Klinge an Arktos' Kehle.

Mel griff zur Ukulele und begann, „Somewhere Over the Rainbow“ zu spielen, in der verzweifelten Hoffnung, die Situation zu entschärfen. Sariel nutzte den Moment und wirkte einen Zauber, der die Augen des Soldaten trüb werden ließ. Der Inquisitor taumelte, griff blind nach seinem Schwert und schlug um sich. Arktos packte die Gelegenheit beim Schopf und riss dem Soldaten das Schwert aus der Hand, sodass es klirrend zu Boden fiel. Wilma schoss mit ihrem Kurzbow und traf den Soldaten mitten in die Kniescheibe, die mit einem grässlichen Geräusch zerfetzte. Der Riese sank auf ein Knie.

Ilion trat auf den taumelnden Soldaten zu und sprach leise und eindringlich auf ihn ein, seine Worte wie ein Messer in die Seele des Mannes bohrend. Der Soldat, blind und desorientiert, schlug wild um sich und erwischte Tvara, die er gegen die Tresenkante schleuderte. Doch es war zu spät für ihn. Arktos holte mit seinem Langschwert aus und trennte dem Inquisitor mit einem einzigen Hieb den Kopf vom Rumpf. Tvara, kaum wieder auf den Beinen, nahm Anlauf und schoss den Helm des Soldaten wie einen Fußball quer durch die Taverne, wo er in einer Ecke aufprallte. Brunhilde tauchte hinter der Bar auf, betrachtete das Blutbad und sagte trocken: „Wusste ich's doch! Bravo!„ – bevor sie eine Flasche ihres geheimen Vorrats holte.

Die Gruppe durchsuchte die Leiche des Inquisitors und fand ein Fläschchen mit einer seltsamen Flüssigkeit, die als Wahrheitsöl beschriftet war, sowie ein Pergament mit diabolischen Schriftzeichen, die niemand lesen konnte. Das Langschwert und die abgewetzte Plattenrüstung des Soldaten wurden als Beute eingepackt. Am nächsten Morgen verkaufte Arktos beides in Svenjas Laden für stattliche 130 Goldstücke, während die anderen Vorräte kauften: Verbandsmaterial, Papier für eine improvisierte Karte und Reiseproviant. Brunhilde überreichte der Gruppe beim Abschied eine Flasche ihres edlen Tropfens, und noch am selben Tag brachen sie in Richtung Nordosten auf.

Der Weg führte sie durch ein sumpfiges Moor, durchzogen von befestigten Holzstegen und eisernen Fackelhaltern mit Resten verbrannter Fackeln – untrügliche Zeichen eines nahen Lagers. Wilma schlich allein voraus, kroch auf einen aufgeschütteten Erdwall und spähte in einen kraterähnlichen Bereich. Dort feierten etwa zwölf Banditen in improvisierten Rüstungen um einen Steinaltar herum, tranken und sangen schief und ausgelassen. Sie kehrte zur Gruppe zurück und berichtete: Die Banditen waren betrunken, schlecht bewaffnet und ahnungslos. Sariel hatte sofort einen Plan.

Er näherte sich dem Lager und begann auf seiner Laute zu spielen. Die Banditen, von der Musik angelockt, versammelten sich johlend auf dem Erdwall – und verfielen in einen Zustand tiefer Faszination. Arktos stürmte vor und streckte den ersten Banditen nieder, der in einer bizarren Wolke aus Fleisch und Blut explodierte. Mel feuerte einen Armbrustbolzen ab, der einen Banditen durchschlug, weiterflog, den nächsten traf, und so einen blutigen Dominoeffekt auslöste, bei dem fünf Banditen nacheinander zerplatzten. Ilion ließ zwei weitere auf dem matschigen Untergrund ausrutschen und die Böschung hinunterfallen. In wenigen Augenblicken war das Lager gesäubert.

Die Gruppe durchsuchte die Zelte, die vollgestopft waren mit geplünderten Kisten, Säcken und Schubkarren. In einer Kiste fanden sie Gold, das bei Berührung sofort zu einer braunen, rauchenden Brühe schmolz. In einem anderen Zelt entdeckte Sariel eine rubinbesetzte Krone aus Gold und Edelsteinen. Dann hörte Ilion eine Stimme in seinem Kopf, die ihn zur Mitte des Lagers führte, wo eine Ledertasche mit violettem Licht lag. Als er den pulsierenden Kristall darin berührte, bildete das Ding Zähne aus und biss sich in seinen Arm. Tvara riss das bissige Wesen mit roher Gewalt los, doch bevor jemand reagieren konnte, warf Wilma eine Ration in sein Maul – und das Wesen strahlte eine violette Aura aus, die alle bewusstlos schlug.

Als die Gruppe wieder zu sich kam, lagen sie auf dem Steinboden einer riesigen, düsteren Halle. Die Decke war fünfzehn Meter hoch, violette Banner mit diabolischen Flüchen hingen an den Wänden, und in der Mitte des Raumes schwebte Sariel, an Händen und Füßen an ein hölzernes X-Kreuz gefesselt, zehn Meter über dem Boden. Aus den Schatten trat eine hagere Gestalt in purpurner Robe – ein Magier mit fahler Haut und tiefschwarzen Augenringen, eine kleine, miauende Mimik auf dem Arm. Er lächelte kalt und erklärte, dass er die Gruppe angelockt hatte, um sie für einen früheren Diebstahl in seinem Turm zu bestrafen. Sie sollten Prüfungen bestehen und sich am Ende entscheiden: der Kristall oder Sariels Leben. Dann verschwand er lachend in der Dunkelheit, und Sariel stürzte mitsamt seinem Kreuz fünf Meter in die Tiefe – überlebte aber wie durch ein Wunder.

Die Gruppe folgte dem einzigen Gang, der sich vor ihnen auftat, und gelangte in eine Reihe identischer Kammern mit Säulen und Hebeln. Schnell lernten sie, dass die äußeren Hebel mit Zähnen besetzt waren, die nach allem schnappten, was sie berührte, während der mittlere Hebel jeweils die Tür zur nächsten Kammer öffnete. Mit einem Seil, den sie aus sicherer Entfernung bedienten, überwanden sie Kammer um Kammer. In einer besonders tückischen Kammer befanden sich die Hebel an der fünf Meter hohen Decke, und Arktos hob Wilma hoch, damit sie das Seil befestigen konnte – doch sie verlor das Gleichgewicht und stürzte unsanft zu Boden, eine hässliche Platzwunde an der Stirn als Andenken.

Schließlich betraten sie einen gewaltigen Saal mit einem Raster aus etwa zweihundert Säulen, deren Decke zwölf Meter hoch war. Hier griff ein halb verwestes Skelett mit einer klaffenden Wunde am Rücken die Gruppe an, wurde aber von Sariel und Arktos in seine Einzelteile zerlegt. Die Gruppe experimentierte mit den Hebeln, ohne das richtige Muster zu finden, bis ein zufällig betätigter Hebel ein gefährliches Wesen aus der Decke fallen ließ: einen Vrock, einen vogelartigen Dämon mit dunkelblauer Haut und schwarzen Federn, der in der Luft schwebte und giftiges Gas ausstieß, das Arktos und Ilion heftig erkranken ließ. Die Fackeln erloschen, und der Raum versank in völliger Dunkelheit.

In der Finsternis setzte Sariel seinen drakonischen Atem ein und feuerte in die Richtung, aus der er das Flattern der Flügel hörte. Das brennende Wesen stürzte ab und landete auf mehreren Hebeln gleichzeitig – ein Mechanismus klickte, und eine Tür sprang auf. Die Gruppe floh durch den Gang, wobei ein Mitglied beim Verlassen noch einen schmerzhaften Hieb von hinten abbekam. Sie folgten dem nächsten Gang, bis sie in einen kargen Raum gelangten, in dessen Mitte eine goldene Waage auf einer Säule stand. Auf einer Schale lag der violett pulsierende Kristall. Die andere Schale war leer.

Ein Fallgitter donnerte hinter ihnen herab und schnitt den Rückzug ab, während Kreaturen von außen gierig durch die Gitterstäbe griffen. Eine Stimme, die aus dem Nichts zu kommen schien, erklärte die letzte Prüfung: Die Tür würde sich öffnen, wenn die Waage ins Gleichgewicht gebracht wurde – mit Sariels Kopf als Gegengewicht. Oder Sariel konnte seine Hand an die Tür legen, doch dann würde der Kristall für immer verloren sein. Die Gruppe beriet sich flüsternd und entwickelte einen Plan: Sariel würde seinen Kopf auf die Schale legen, Ilion den Kristall nehmen, und im letzten Moment würde jemand Sariel durch die sich öffnende Tür reißen.

Mit ruhiger Hand legte Sariel seinen Kopf auf die leere Waagschale. Die Waage schwang ins Gleichgewicht, und mit einem schweren Klicken begann die massive Tür aufzugleiten. Ilion griff nach dem Kristall, und die Gruppe stürmte zur Tür. Im letzten Augenblick, als die Tür bereits wieder zu sinken begann, riss jemand Sariel von der Waage und zerrte ihn durch den schmaler werdenden Spalt. Die Tür donnerte hinter ihnen zu. Atemlos standen sie im Gang, den Kristall in der Hand, Sariel unverletzt an ihrer Seite.

Der Rückweg dauerte einen langen Tag, doch schließlich fanden sie einen Ausgang in einer steinigen Ruine im nordöstlichen Teil von Ravencross. Sie hatten den Kristall, den Pringa so dringend brauchte, um die goldene Glocke zurückzugeben und Blackwick wieder unter ihren magischen Schutz zu stellen. Der Magier würde nicht zufrieden sein – das wussten sie alle. Aber für diesen Moment hatten sie gewonnen, und das war genug.

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