In der kleinen, von Nebel geplagten Siedlung Blackwick versammelten sich fünf ungleiche Seelen im Eisernen Becher, einer Taverne unter der Obhut der resoluten Wirtin Brunhilde. Kaila, eine elfische Bierbrauerin mit skelettartiger Haut und einem frechen Raben namens Cranky auf der Schulter, traf auf Wilma Wibbelmogen, eine gebückte, sonnenverbrannte Halblingsfrau, die einst Arbeiterin gewesen war und nun Rache für ihren verlorenen Sohn suchte. Helena, eine drachengeborene Kriegerin, die bereits einmal dem Tod ins Auge geblickt hatte, gesellte sich zu ihnen, ebenso wie Brognath, ein lauter Halb-Ork auf einem mächtigen Kaltblüter namens Fros, und Thressa, eine stille Begleiterin mit scharfem Verstand. Sie alle hatten einen Brief von Lazarus erhalten, dem Wächter der Eisernen Gilde, der sie mit einer dringenden Aufgabe betraute: Eine goldene Glocke am Waldrand war verschwunden – jene magische Glocke, die das Dorf stets vor dem tödlichen Nebel gewarnt hatte. In der Nacht zuvor waren zwei Dorfbewohner gestorben, weil das Geläut ausblieb.
Kaila berichtete von einem früheren Besuch bei Svenja, der orkähnlichen Ladenbesitzerin, die zwei schwefelriechende Gestalten mit einer Schubkarre und Seilen beobachtet hatte, die in Richtung Osten verschwunden waren. Am Schrein am Waldrand hatte man festgestellt, dass das Seil der Glocke sauber durchgeschnitten worden war – kein Zeichen von Hektik, aber viele Fußspuren. Brunhilde warnte die Gruppe eindringlich vor Wölfen und den Kreaturen des finsteren Grimdahl, die in jener Gegend ihr Unwesen trieben. Außerdem hatte Hirion, ein früherer Weggefährte, in einer Vision gesehen, dass die Glocke sich irgendwo im nördlichen Wald befinden sollte.
Die Gruppe machte sich auf den Weg zu Svenjas Laden, um sich mit Vorräten und Ausrüstung einzudecken. Svenja, eine gewaltige Gestalt mit riesigen Hauern, die ihr aus dem Mund ragten, empfing sie mit grummelndem Wohlwollen. Helena tauschte ihr Bastardschwert gegen ein mächtiges Großschwert ein, Wilma kaufte Speere und Fackeln, und Brognath erhielt von Svenja sogar zwei Silberstücke zurück, weil sie in ihm einen der Ihren erkannte und auf Orkisch „Orks zusammen„ flüsterte. Doch die Einkaufstour nahm ein jähes Ende, als Kaila plötzlich erstarrte.
Ihre Augen wurden leer, ihre Klauenarme hoben sich unkontrolliert – der Fluch des Kalgoroth hatte sie ergriffen. Mit einem Schrei stürzte sie sich auf Cranky, der gerade noch rechtzeitig davonflattern konnte. Svenja reagierte blitzschnell: Sie packte Kaila am Hals, hob sie fünf Zentimeter über den Boden und trug sie rückwärts durch die geschlossene Ladentür in den Matsch draußen, ohne die Tür dabei zu beschädigen. „Du hast mir geschworen, dass du ihn leben lässt“, knurrte Svenja. „Ich habe dir geschworen, dass ich mein Bestes probieren muss„, keuchte Kaila. „Dein Bestes scheint nicht gut genug zu sein“, antwortete Svenja und ließ sie fallen.
Kaila saß weinend im Matsch, während Brognath verwirrt daneben stand und Wilma versuchte, sie aufzurichten. Brunhilde erklärte später in der Taverne, was es mit dem Fluch auf sich hatte: Der Kalgoroth-Fluch verzehrte die Gedanken der Befallenen und trieb sie dazu, nach der Aufmerksamkeit eines dunklen Wesens namens Dominus zu gieren. Er übertrug sich durch Berührung, Wunden oder Körperflüssigkeiten. Doch es gab einen Ausweg – der Fluch konnte auf ein anderes Lebewesen übertragen werden. Wilma hatte bereits eine Idee.
Kaum hatten sie sich in der Taverne eingerichtet, zog von Norden ein dichter, undurchdringlicher Nebel heran. Die Dorfbewohner verschwanden in ihren Häusern, Türen wurden verriegelt und mit Riegeln gesichert. Brognath zerrte sein Pferd Fros kurzerhand mit in die Taverne, was Brunhilde wenig begeisterte, da das Tier sofort begann, an einem Tisch zu knabbern. Vor den Fenstern bewegten sich menschengroße Schatten mit flatternden Fetzen, lautlos und unheimlich durch den Nebel gleitend. Brunhilde erklärte mit ernster Miene, dass viele, die diese Schatten gesehen hatten, nie zurückgekehrt waren.
Um Kailas Fluch zu brechen, holten Wilma und Thressa lebendige Tauben aus dem Keller der Taverne. Kaila ergriff eine der Tauben und stach mit ihrem Dolch zu, während der Name Dominus von ihren Lippen fiel – und tatsächlich, der Fluch löste sich, ihre Gestalt normalisierte sich langsam wieder. Doch der Versuch, eine zweite Taube als Sicherheit zu nutzen, endete in einem Chaos: Der Käfig zerbrach, die Taube verwandelte sich in ein brennendes Skelett und flatterte wild durch die Taverne. Helena warf eine Silbermünze mit treffsicherem Arm auf das Ding, das daraufhin in Flammen aufging und zu Asche verbrannte. Brunhilde stand hinter dem Tresen, rührte ihren nassen Lappen und bestand darauf, dass die Gruppe die entstandene Unordnung beseitigte.
Als der Nebel sich am nächsten Morgen zurückzog, brach die Gruppe in den Totholzwald auf. Der Wald war dicht mit abgestorbenen, dünnen Bäumen bewachsen, kaum ein Trampelpfad war zu erkennen, und Fros hatte Mühe, zwischen den Stämmen voranzukommen. Brognath hörte plötzlich ein lautes Summen von rechts und wich vom Weg ab, um der Quelle nachzugehen. Helena bemerkte sein Verschwinden und rief ihm nach, doch es war zu spät – ein riesiges, fettes Insekt mit vier Flügeln und einem langen, spitzen Stachel stürzte aus der Luft auf ihn herab. Fros scheute, schlug wild um sich und rannte panisch davon, wobei er dünne Bäume umknickte und Wilma beinahe über den Haufen rannte, die sich gerade noch in den Matsch werfen konnte.
Was folgte, war ein blutiger Kampf. Helena hieb mit ihrem flammenden Speer auf die Kreaturen ein und zerfetzte eine davon in der Luft. Thressa warf Schutzgebete in den Himmel. Wilma schoss aus dem Versteck hinter einem Stein. Doch die Kreaturen bohrten ihre Stachel tief in Brognath und blieben darin stecken, während er mit Schild und Krummsäbel um sich schlug. Kaila versuchte, die letzte Kreatur zu erstechen, die in Brognath steckte – doch ihr Dolch traf stattdessen ihn. Wilma erledigte die Kreatur mit einem gezielten Schuss, aber es war zu spät. Brognath sank zu Boden, sein letzter Atemzug entwich, und er blieb leblos im Schlamm des Totholzwalds liegen.
Die Gruppe beerdigte Brognath schweigend und machte sich weiter auf den Weg nach Norden. Bald hörten sie Lautenklänge und Gesang, der durch das Gestrüpp hallte – und stießen auf Sariel, einen drachengeborenen Barden, der im Wald nach Inspiration suchte. Er schloss sich der Gruppe an, ohne lange zu fragen. Kaila entdeckte schließlich eine kreisrunde Lichtung, in deren Mitte eine zerbrochene Schubkarre stand, auf der etwas golden glänzte. Ein schwebender, menschengroßer Schatten patrouillierte um die Schubkarre, hin und her gleitend wie ein Wächter ohne Körper. Kaila machte sich unsichtbar, schlich in die Lichtung und ergriff die goldene Glocke, ohne dass sie einen Laut von sich gab.
Auf dem Rückweg entdeckte Thressa zwei vermoderte Leichen, halb im Waldboden versunken. Bei ihnen fand sie eine mächtige Schriftrolle und einen Zauberstab, die sie sorgfältig einsteckte. Doch die Erleichterung über den Fund währte nicht lange. Als Sariel auf seiner Laute spielte, baute sich hinter ihm langsam ein Schatten auf – breiter als er, unnatürlich, ohne Lichtquelle. Helena hob ihren brennenden Speer. Sariel wirkte eine faszinierende Kraft auf den Schatten, der für einen Moment erstarrte. Doch dann verwandelte sich der Schatten in ein hässliches Frauengesicht mit spitzen Ohren und langen Krallen, und ein Geruch von Fäulnis breitete sich aus.
Die Hexe nannte sich Pringa. Sie hielt die gesamte Gruppe mit einem unsichtbaren Bann am Boden fest, sodass niemand auch nur einen Schritt tun konnte. Mit hoher, schneidender Stimme erklärte sie ihre Forderungen: Ihre gestohlenen Gegenstände – ein Trank, ein Pilz und vor allem ihr magischer Kristall – sollten zurückgebracht werden. Dann würde sie die Glocke zurückgeben und Blackwick in Ruhe lassen. Bevor sie mit der Glocke verschwand, drückte sie ihre Finger an Sariels Stirn und belegte ihn mit einem Fluch: Von nun an konnte er nur noch in Fragen sprechen. Das Gelächter, das sie hinterließ, hallte noch lange durch den Wald.
Zurück in Blackwick verkaufte Thressa die bei den Leichen gefundenen magischen Gegenstände an Svenja und erzielte damit einen beachtlichen Preis. Die Gruppe kehrte in den Eisernen Becher zurück, wo Brunhilde sie empfing und nach der Glocke fragte. Helena legte ihr neues Großschwert auf den Tresen und äußerte ihren Unmut über die ganze Situation. Brunhilde erklärte, dass Pringa einst eine schützende Zauberin gewesen war, die das Dorf mit Heilzaubern und Tränken versorgt hatte – bis ihre Schwester starb und sie verbittert wurde. Lazarus hatte sie schließlich verbannt, weil sie gefährliche Tränke an die falschen Leute verkauft hatte.
Brunhilde wies die Gruppe auf eine Tür hinter der Bar hin, und die Gruppe stieg die enge Treppe hinauf. In einem schlicht eingerichteten Zimmer mit verdorrten Blumen und einem kleinen Tisch fanden sie Lazarus – einen hochgewachsenen, schlanken Mann mit langem, schwarzem, spitzem Bart und farbigen Linien unter der Haut, die ihn als mächtigen Magier auswiesen. Er erklärte, dass Pringas Gegenstände nicht von der Gilde gestohlen worden waren, sondern von einer Räuberbande, die vermutlich irgendwo im Nordosten ihr Lager hatte. Er versprach, Aufklärer auszusenden, und bat die Gruppe, Pringas verfallene Hexenhütte am Dorfrand zu inspizieren, um ihre Rückkehr vorzubereiten. Außerdem enthüllte er Geheimnisse über die Sieben Söhne und die Nägel, die Grimdahl in die Erde geschlagen hatte, um sich unverwundbar zu machen – Nägel, die die Eiserne Gilde eines Tages würde ziehen müssen. Als die Gruppe das Zimmer verließ, hatten alle außer Wilma jede Erinnerung an Lazarus' Aussehen und Aufenthaltsort verloren, als hätte jemand diese Gedanken einfach ausgelöscht.
Den Abend verbrachte die Gruppe im Eisernen Becher, wo Bier und Geschichten flossen. Sariel, Wilma und Kaila zogen besoffen durch die Nacht und erwachten am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen, aber auch mit neuen Erfahrungen und dem einen oder anderen unerklärlichen Gegenstand in der Tasche. Helena hingegen folgte einem inneren Drang zum Ende des Dorfes, klopfte an eine Tür in einem großen Mehrfamilienhaus und fand dahinter niemand anderen als Father O'Malley – einen Priester aus Ravencross, den sie von früher kannte. Er rülpste sie an, erkannte sie, lud sie ein – und kippte dann ohnmächtig auf den Tisch. Helena legte sich in sein Bett und schlief ein, während Blackwick in der Stille der Nacht ruhte, die goldene Glocke noch immer in Pringas Händen.